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Die Taschengeldfrage

Kinder brauchen Taschengeld!

Taschengeld ist notwendig damit Kinder lernen, ihr Geld einzuteilen und damit auszukommen. Wer das als Kind und Jugendlicher nicht lernt hat es später schwer. Kinder müssen ihre Freude an wachsender Selbständigkeit und Verantwortlichkeit entwickeln und behalten. Andere Kinder und Jugendliche bekommen ebenfalls Taschengeld. Kinder wollen dazugehören. Das bedeutet aber nicht, dass sie genauso viel bekommen müssen wie die anderen. Das Thema Taschengeld gibt Eltern und Kindern die Möglichkeit miteinander über Wirtschaften und Haushalten zu sprechen.
Dabei gilt grundsätzlich: Vereinbarungen sind besser als Verfügungen.

Taschengeld – warum, ab wann, wie viel?

Die Frage, warum, ab wann und wie viel Taschengeld sie ihren Kindern geben sollen, beschäftigt wohl alle Eltern. Nicht selten kommt es bei diesem Thema auch innerhalb der Familie zu Unstimmigkeiten, z.B. dann, wenn die Kinder auf Geldbeträgen bestehen, die Eltern für weit übertrieben halten oder wenn sie ihr Taschengeld für Dinge ausgeben, die nach Meinung der Eltern total überflüssig sind. Viele Eltern wenden sich deshalb an das Jugendamt – mit der Hoffnung, von dort verbindliche Auskünfte zum Taschengeld zu erhalten. Häufig wird bei diesen Anfragen auch nach einem Gesetz gefragt, das die Höhe des Taschengeldes und den Umgang damit regelt.

Das Jugendamt Stuttgart will mit dieser Information ein wenig Hilfestellung auf diesem Gebiet leisten. Diese Hilfestellung muss sich aber auf Ratschläge beschränken, denn ein Taschengeldgesetz gibt es nicht.

Die Eltern bestimmen

Da gesetzliche Vorgaben fehlen, liegt die Entscheidung über das Taschengeld im Ermessen der Eltern. Sie bestimmen, ob, ab wann und in welcher Höhe dieses Geld ihren Kindern zukommt und wie oft es ausgezahlt wird.

Kindern kein Taschengeld zu geben halten wir für nicht richtig.
Geld hat in unserer Gesellschaft einen zentralen Stellenwert, den auch Kinder schon recht früh erkennen. Der Umgang damit sollte deshalb bereits in jungen Jahren eingeübt werden – und kein anderes „Erziehungsmittel“ ist hierfür so gut geeignet wie das Taschengeld. Außerdem ist Taschengeld ein Beitrag zur Selbständigkeit und zur Selbstbestimmung. Das Kind kann kleinere Anschaffungen von sich aus tätigen und muss nicht immer die Eltern um Erlaubnis fragen.

Wie soll das Taschengeld verwendet werden?

Das Taschengeld ist Geld, über das ein Kind frei verfügen kann. Es ist für die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Kindes gedacht, nicht aber für notwendige Dinge wie z.B. Kleidung oder Schulsachen.
Das Kind soll selbst die Entscheidung darüber treffen können, wofür es sein Taschengeld ausgibt. Wenn es sich im Alltag kleinere oder größere Wünsche erfüllt, wird es Schritt für Schritt lernen mit Geld umzugehen und dabei Erfahrungen sammeln – positive – auf denen es aufbauen kann und negative, die es hoffentlich nicht oft wiederholen wird. Dem zuzusehen, ist für Eltern nicht immer einfach. Ihre Aufgabe ist es, bei diesem Lernprozess beratend zur Seite zu stehen und dabei möglichst wenig Auflagen und Einschränkungen zu machen.

Wie hoch sollte das Taschengeld sein?

Das Taschengeld ist ein Festbetrag, der regelmäßig ausbezahlt wird. Der Betrag sollte sich nicht als Belohnung oder Strafe erhöhen oder verringern.
Es gibt keinen Standardtaschengeldbetrag. Die wichtigsten Gesichtspunkte zur Höhe des Taschengeldes sind das Alter des Kindes und das Familieneinkommen. Nach diesen Kriterien sollte es vorrangig ermittelt und mit dem Kind vereinbart werden. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass es im ortsüblichen Rahmen bleibt, also in etwa dem Betrag entspricht, den Freundinnen/Freunde des Kindes auch bekommen.

Wie oft sollte es ausgezahlt werden?

Bei kleineren Kindern bis zum Alter von 10 Jahren ist es sinnvoll, das Taschengeld wöchentlich auszuzahlen, größere Kinder können in der Regel schon einen Monatszeitraum überblicken. Die folgende Tabelle dient als Überblick, es sind nur Richtwerte, die je nach Familieneinkommen verändert werden können. Die dabei für Jugendliche angegebenen Zahlen gelten für solche, die wirtschaftlich noch ganz von den Eltern abhängig sind.

Wie viel Taschengeld?

Orientierungswerte für die Höhe des Taschengeldes gibt der Beratungsdienst Geld und Haushalt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Anlehnung an die Empfehlung von Jugendämtern:

Tabelle anzeigen

Alter Betrag Auszahlung
unter 6 Jahre 0,50 - 1,00 Euro wöchentlich
6 Jahre 1,00 - 1,50 Euro wöchentlich
7 Jahre 1,50 - 2,00 Euro wöchentlich
8 Jahre 2,00 - 2,50 Euro wöchentlich
9 Jahre 2,50 - 3,00 Euro wöchentlich
10 Jahre 15,00 - 17,50 Euro monatlich
11 Jahre 17,50 - 20,00 Euro monatlich
12 Jahre 20,00 - 22,50 Euro monatlich
13 Jahre 22,50 - 25,00 Euro monatlich
14 Jahre 25,00 - 30,00 Euro monatlich
15 Jahre 30,00 - 37,50 Euro monatlich
16 Jahre 37,50 - 45,00 Euro monatlich 
17 Jahre 45,00 - 60,00 Euro monatlich
ab 18 Jahre 60,00 - 75,00 Euro monatlich



Bei den genannten Beträgen handelt es sich um Summen, die den Kindern und Jugendlichen zur freien, nicht- zweckgebundenen Verfügung stehen.
Immer mehr Eltern gehen bei der Taschengeldzahlung für Jugendliche aber auch dazu über, diesen frei verfügbaren Grundbetrag durch einen zweckgebundenen Zusatzbetrag aufzustocken. Dabei werden dann z.B. zunächst die jährlichen Ausgaben für Kleidung ermittelt. Dieser Betrag wird auf den Monat umgerechnet und dem Jugendlichen zusammen mit dem Taschengeld ausgezahlt – mit der, dass von diesem zusätzlichen Betrag Kleidung zu kaufen ist.

Geldgeschenke und selbstverdientes Geld

Häufig erhalten Kinder Geldgeschenke, deren Beträge insgesamt viel größer sind als ihr Taschengeld. Diese Geldgeschenke im Taschengeld aufgehen zu lassen ist nicht empfehlenswert, da das Geld auf diese Weise verschwindet und das Kind nie weiß, wie und wohin. Solche Geschenke sind etwas für das Sparbuch oder ein Beitrag zu einem konkreten Sparziel, wie z.B. einem Fahrrad. Auch Kinder sollen lernen, sich für größere Anschaffungen etwas aufzubewahren. Zuschüsse der Eltern sollen hier die Ausnahme bleiben.

Ähnliches gilt, wenn die Kinder und Jugendliche sich in ihrer Freizeit etwas Geld hinzuverdienen. Dieses vom Taschengeld abzuziehen, halten wir zwar für grundsätzlich falsch, es fällt uns aber trotzdem schwer hier eine generelle Aussage zu treffen. Sicherlich gibt es auch viele Familien mit mehreren Kindern, denen es nicht leicht fällt, für alle Kinder regelmäßig ein monatliches Taschengeld zu zahlen und die deshalb froh sind, wenn auf diesem Wege die Haushaltskasse entlastet wird.
Wichtig ist deshalb hier: Sprechen Sie mit ihrem Kind über das selbstverdiente Geld, versuchen Sie, Sparziele für größere Anschaffungen zu vereinbaren und begründen Sie, warum Sie nun ggf. das Taschengeld kürzen.

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Wilhelmstraße 3
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